Beitrag 5: Argentinien am Andenrand

Ein Riss in der Erde

Auf der ursprünglichen Ruta 40, wirbelte der starke Wind den feinen Staub der halbwegs verlassenen Schotterstrasse, auch ohne entgegenkommende Fahrzeuge,  über die Pampa.

Die Sonne beendet den Tag in der Pampa

Anders als auf den jetzigen Verlauf der Touristen kanalisiernden Ruta 40, begeneten wir auf dieser 70 km langen Teilstrecke der alten Ruta 40, an diesem Tag, kein einziges  Fahrzeug.

Der Erdriss


Unangekündigt überaschte uns hier ein tiefer Riss in der kargen Erdoberfläche, durch den sich der tiefgrüne Arroyo Pichileufu seinen Weg bahnt.

Den Namen des Flusses kann man sich nicht merken, so ist es auch unwesentlich das diese Schlucht ohne Namen dasteht.


Einen vorgegebenen Trampelpfad hinunter fanden wir nicht.
Bei den Basaltsäulen, eine sah aus wie ein versteinerte Riesenkrake, suchten wir selbst einen Abstieg.


Um durch diesen Canyon durchzukommen musste das schnell fliesende Gewässer zweimal durchquert werden.  Nur mit Unterhose bekleidete ging es durch das recht erfrischende aber klare Wasser des Ary… , wie hies der Fluss noch…. ?

Tierwelt

Die RP23 schlängelte immer entlang des Rio Alumine durch die Berge der Hochkordilleren.
Sie war eine Strasse ganz nach unseren Geschmack mit einem weiten Blick und wir hoffen das sie nie asphaltiert wird.


Genau auf dieser Strecke, am 1 Weihnachtstag, waren wir nicht so sehr erstaunt über das Gürteltier, als vielmehr über einen Hirsch.   Ein Prachtexemplar des Pampahirsches flüchtete vor uns mit einem hohen Sprung elegant  über einen Zaun. Wir wussten gar nicht das diese Tiere in Südamerika vorkamen. Erst später haben wir erfahren das der Pampahirsch extrem selten ist und vom austerben bedroht.

Gürteltier ohne Gürtelschnalle
Kein Pampahirsch aber Käfer sind auch schön
Auch kein Lama

Vulkane Vulkane Vulkane

Auch die RP21 bei Las Lajas bot sich als Alternativstrecke.
Erst bei Chos Malal erreichten wir das populäre Asphaltband der Ruta 40. Aber nur um dieses, schon bald, nach 15 km auf die RP2 und RP37 auf Schotter wieder zu verlassen.


Schaurig schön wirkte auf uns der zerfranste Kraterrand und das narbenhaftes Aussehen des El Tromen Vulkan. In dieser Abgeschiedenheit führte nur der schmale RP37 Weg über einem Hochplateaus, dicht an dem 4000 meter Hohen Riesen vorbei.

Erkalteten Lavaströme die eine grüne Wiese zum Teil begraben hatten zeigten beindruckend den letzten Ausbruch.


In seiner Nähe wählen wir unseren Übernachtungsplatz in einer von einem Fluss durzogenen kleinen Schlucht. Denn auch auf dieser 90 km Strecke begenen wir kein einziges Fahrzeug.

Übernachtungsplatz
Kakteenblüte in der Schlucht am Übernachtungsplatz

Spocks Heimatplanet

Ein Raumschiff aus einer fernen Galaxi scheint zur Landung anzusetzen
Rotglühend verfärbt sich der Himmel
Kündigt sich in der Dämmerung ein Vulkanausbruch an?

Anderswelt

Payunia

Als seien wir plötzlich vom Raumschiff Enterprise auf Spocks Heimatplanet Vulkanien gebeamt worden  Rundherum überragten Vulkankegel an  Vulkankegel.

Es ist das verwaiste wirkende  Payunia Reserve  indem viele hunderte Vulkane heraus ragen. Eine Parkverwaltung gab es nicht mehr. Wozu auch? 

Nur noch sehr selten muten sich Besucher wie wir den beschwerlichen rumpelige Anfahrtsweg zu, der  durch ein Erdölförergebiet führte. 

Unter unseren Rädern waren nun schwarze Aschefelder.

In dieser verrückten oder besser entrückten schwarzen Anderswelt, der Pampa Negra, erhellten gelben Pflanzenflecken  das Landschaftsgefüge.

Dazwischen liefen die lamaähnlichen  Guanacos.

Am ende eines erkalteten Lavastrom gab es ein Unterstand  mit Blick auf den Vulkan Payun Lisu.

Auf dem Kraterand mit Blick in den Schlund

Atuel Cannyon

Durch den Atual Canyon führt ein kurvenreiches  asphaltloses Strässchen. Das breitgefächerte Farbspektrum der Bergwelt fasziniert uns derart so das wir nach einer ersten Übernachtung nur 20 km weiter fahren um an einem tollen Platz bei einer glasklaren Badegumpe  unsere Anker schmeissen, während diese Sonne die Temperatur weiterhin ansteigen lässt und bis auf 41 Grad bringt. Und das in einer Höhe von 900 Meter.

Die RP 13!

„Noch 10 cm Platz bis zur Felswand“ ruft Nicole während sie ihren Kopf aus dem geöffneten Beifahrerfenster steckte.
Auch auf der Fahrerseite war noch eine handbreite Platz zwischen Rad und dem abgebrochenen Wegesrand an dem es ungebremst in die Tiefe ging.


Bereits seit 4 Stunden waren wir auf der RP13 von Mendoza nach Uspallata  unterwegs. Warum diese Strasse überhaupt eine Strassennummer verdient? 
Über das grobes Gestein aus dem diese RP 13 bestand wackelten wir stetig  bergan, durch ein immer enger werdendes Tal. An dessen ende der Weg Serpentinenreich und mit sehr viel Geschauckel weiter in die ausichtsreiche Höhe führte. Oben zeigte unsere app  2000 meter an.


Im weiteren Verlauf der RP13 wurde nun einfach der ausgetrocknete Flussverlauf als Strasse bezeichnet.  Auf der ganzen Strecke braucht ein Auto nur einen Gang plus eine Untersetzung. Allerdings fährt sogut wie niemand mit seinem Auto hier entlang.


Es wurde schlimmer. Denn der Weg begann sich immer mehr zu verästelten . Welches war die beste Option? Wir wählten leider die Falsche. Weil es zu kompliziert war rückwärts zu fahren blieb  nichts anderes übrig als Steine heranzuschleppen und mit dem Spaten Geröll herbeizuschaufeln, um uns so einen Weg selbst zu kreieren.


Bei den nächsten Verästelungen zogen wir vor die verschiedensten Strecken abzulaufen. Trotzdem kamen wir nicht drum herum ein weiteres mal Strasse zu bauen, damit der lange Überhang auch die Stelle passieren konnte. 
Wir irrten als wir glaubten in 2000 meter am höchsten Punkt zu sein.


Da es immer noch bergauf ging war klar das wir noch nicht oben waren. Bis schließlich ein Betonmonument verdeutlichte das der Scheitelpunkt in  3100 Meter erreicht war.


An dieser Stelle brauchen wir nicht von der durchaus  traumhaften Ausicht schwärmen bei der kein Baum den Weitblick versperrte. Vielmehr beschäftigte uns die
wirklich schmale, dazu kurvenreiche Piste abwärts. Diese Serpentinen waren nicht nur sehr steil, sondern auch so eng, das es nicht möglich war in einem zug herum zu kommen.

Eine Leitplanke gab es natürlich nicht, denn dafür hatte dieses schmale Strässchen sowieso keinen Platz.
Bis wir schlieslich an der eingangs erwähnten Abruchkante kamen, an dem es kein zurück mehr gab.
Doch nicht nur diese Stelle war kritisch. Bauchkribbeln gab noch wenn die rechten Räder über eine Anhöhe mussten und sich dadurch das Fahrzeug links zur Abhangseite kippte.

In 2700 Meter höhe übernachteten wir schliesslich. Unser Fernsehprogramm wurde life geliefert.
Durch das Fenster beobachtetn wir eine frisch verliebten Andenfuchs Paar das sich vor unseren Fenster unbeoachtet fühlte.

Auf dem 3820 meter hohen Paso de la Cumbre auf dem die  Grenzlinie  zwischen Argentinien und Chile verläuft wurde 1904 als Friedenssymbol die Christo Redentorstatue aufgestellt.
Der rote Schotterweg dorthinauf war nicht ausgeschildert, da es weiter unten mittlerweile einen Tunnel gab. Hatten wir in Uspallata noch 36 Grad sank das Thermometer mittlerweile auf 16 Grad und Regen. Während wir uns in die Höhe schraubten viel die Temperatur auf 6 Grad und der Regen wurde zu Hagel. Dieser vermischte sich mit Schnee. Bei der Redentorstatue angekommen reichte es nur für ein kurzen Fotostop. Es schneite weiter, dazu extremer kalter Wind und Gewitterdonner bei nur noch 1 Grad.
 

Also schnell wieder abwärts. Schnell bedeutet so 10 bis 15 km /h.

6 Gedanken zu “Beitrag 5: Argentinien am Andenrand

  1. Hey ihr beiden,
    mal wieder wunderschöne Bilder, da geht mir mein vulkanisches Herz auf! Schön das es bei euch jetzt wieder weitergeht!
    Liebe Grüße,
    Silvano

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    1. Moin ihr Beiden, nun finde ich erstmals die Kommentarfunktion. Hatte ich die bislang übersehen oder gab es keine? Bin sehr beeindruckt, was ihr wieder alles erlebt, teilweise aber auch erschrocken ( z. B. über die Geschichte mit dem Hochwasser am Übernachtungsplatz und anschließender Revolte im Ort mit der Autowerkstatt oder auch jetzt die Sache mit der schmaleStrasse bergab). Ihr seid halt echte Abenteuer!

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